Die wahre Geschichte einer ausgebeuteten, ehemaligen Zuchthündin

 

Eine Golden Retriever-Hündin ohne Namen.  8 Jahre lebte sie in einem dreckigen Drahtkäfig von 2 x 4 Metern - Beton, Steine und Sand unter ihren Füßen. Die Tür zu ihrem Zwinger öffnete sich nur, wenn ihr Futter hingestellt wurde. Oder sie gedeckt werden sollte, wenn sie wieder läufig war. Bei jeder Läufigkeit, alle 6 Monate, 8 Jahre lang! Sie war eine Gebärmaschine, geboren um selber für Welpen zu sorgen, immer wieder!

Kurz vor Weihnachten 2009 kam dann ihr großer Tag. Endlich, nach 8 langen Jahren. Der gewerbliche Züchter, der jahrelang vom Verkauf ihrer Welpen profitiert hatte, beschloss die Golden Retriever-Hündin auszusortieren. Sie produzierte nicht mehr genug Nachwuchs und war somit wertlos für ihn.

An einem Samstag fuhr ich zu dem gewerblichen Züchter um die Hündin dort abzuholen. In dieser Zucht befanden sich insgesamt über 30 Hündinnen verschiedener Rassen, die alle das gleiche Schicksal durchlebten und wahrscheinlich auch heute noch durchleben. Mir bot sich ein schreckliches Bild und es zerriss mir das Herz bei diesem Anblick.

Die Golden Retriever-Hündin saß in ihrem Zwinger, eine Kette um ihren Hals, die dort bereits mehrere wunde und schorfige Stellen verursacht hat. Stumpfes Fell und kahle Stellen am ganzen Körper. Man riss ihr die schon verrostete Kette vom Hals, während die Hündin völlig verängstigt, fast schon apathisch blickte. Sie wollte nicht durch die Tür ihres Zwingers, sie hatte eindeutig Angst. Mit ein wenig Gewalt half der Züchter nach und übergab mir die Hündin. Ich hob sie in den Kofferraum meines Autos, schloss die Heckklappe und fuhr los. Nach wenigen hundert Metern musste ich anhalten um das Erlebte zu verdauen und um mich der Hündin zuzuwenden. In ihren Augen sah ich Angst und Panik. Es war klar, sie würde lange brauchen, bis sie Vertrauen zu einem Menschen fassen konnte. Wir waren bereit, ihr diese Zeit zu geben und sie bei uns aufzunehmen. Und wir gaben ihr endlich einen Namen: Tammy.

Zunächst mussten die kahlen Stellen im Fell und die Verkrustungen tierärztlich behandelt werden. Es stellte sich heraus, dass Tammy eine schwere Sarcoptes-Räude hatte. Man konnte förmlich sehen, wie die Milben in der Haut krabbelten.

 

                                     

Zum Glück ist diese Krankheit heilbar und sechs Wochen später hatten sich die verkrusteten Stellen und das Fell schon wieder sehr gut regeneriert. Schlimmer waren für Tammy die seelischen Folgen der jahrelangen Ausbeutung durch den gewerblichen Züchter. Tammy zeigte sich sehr verängstigt und nur ganz langsam, nach Wochen des Misstrauens, konnte sie Vertrauen zu uns fassen. Ihre größte Angst ist bis heute, fast drei Jahre nach ihren Erlebnissen als Zuchthündin, das Durchqueren von Türöffnungen. Wir können nur mutmaßen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit hat man sie früher in der Tür gewaltsam eingeklemmt.

Tammy ist für immer bei uns geblieben und lebte gemeinsam in einem Rudel mit zwei weiteren Golden Retrievern. Wir glauben, sie ist trotz ihrer Vergangenheit, die sie vermutlich nie abgelegt hat, zu einer glücklichen Hündin geworden.

Tammy starb am 01.Juli 2012 an einem Milztumor verbunden mit einem Schlaganfall. Wir werden sie nie vergessen. Machs gut, kleine Tammy!                                            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tammy war nur eine von vielen Zuchthündinnen.