Hermine und das kleine Geheimnis

Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die man sich nicht ausdenken könnte. Geschichten, bei denen man nachher denkt: Wenn uns das jemand erzählt hätte, wir hätten es kaum geglaubt. Hermines Geschichte ist so eine. Sie beginnt mit einer Ausmusterung, führt über eine überraschende Entdeckung – und endet mit 10 kleinen Nasen in Braun und Schwarz, die in die Welt schnuppern.

Das alles hätte sich niemand von uns ausgemalt, als Hermine das erste Mal bei uns ankam. Und genau deshalb erzählen wir diese Geschichte – als Auftakt einer Reihe, die zeigt, dass der Alltag bei der Retriever SoKo e.V. manchmal abenteuerlicher ist, als es von außen aussieht.

 

 

Ausgemustert – aber nicht vergessen

Hermine kam aus einer Zuchtanlage zu uns. Der offizielle Grund für ihre Abgabe: schlechte Hüfte. In der Welt der Leistungszucht bedeutet das schnell das Aus – wer nicht den Anforderungen entspricht, wird abgegeben. Für die Anlage war Hermine damit ein erledigtes Kapitel. Für uns war sie das Gegenteil: ein neuer Anfang.

Genau für solche Hunde ist die Retriever SoKo e.V. da. Labradors und Golden Retriever, die aus der Zucht fallen, die niemand mehr haben will oder die einfach irgendwo gestrandet sind – wir nehmen sie auf, päppeln sie auf und finden für sie ein Zuhause, in dem sie als das behandelt werden, was sie sind: wunderbare Hunde, die ein gutes Leben verdienen.

Was wir bei Hermine damals nicht wussten – und was auch die Zuchtanlage offenbar nicht auf dem Schirm hatte – das erzählen wir jetzt.

Ein Tächtel-Mächtel mit Folgen

Hermine zog bei Angela und Michael ein – einer unserer erfahrenen Pflegestellen, die schon so manche Überraschung erlebt haben. Aber diese noch nicht. Hermine war ruhig, lieb, unkompliziert. Eine von diesen Hündinnen, bei denen man sich fragt, wie sie jemals abgegeben werden konnten. Sie hatte sogar schon eine Vermittlung in Aussicht. Alles lief nach Plan.

Bis der Bauch größer wurde.

Irgendwo in der Zuchtanlage – wann genau, das weiß nur Hermine – hatte sie offenbar noch schnell Bekanntschaft mit einem charmanten Herrn Rüden gemacht. Unbemerkt. Ungeplant. Aber mit sehr deutlichen Konsequenzen. Was zunächst als leichte Gewichtszunahme durchging, entpuppte sich beim Tierarztbesuch als handfeste Überraschung: Hermine war trächtig. Hochträchtig, um genau zu sein. Die Zuchtanlage hatte es schlicht nicht bemerkt – oder vielleicht auch nicht bemerken wollen.

Die geplante Vermittlung? Erst einmal verschoben – auf unbestimmte Zeit. Hermine blieb bei Angela und Michael. Und das war, wie sich sehr bald herausstellen sollte, die allerbeste Entscheidung, die wir treffen konnten.

Schnell, schnell: eine Welpenstube muss her!

Was nun folgte, kennen wohl alle, die schon einmal eine Wurfbetreuung aus dem Stand organisieren mussten: die schnelle Recherche, was man überhaupt braucht. Das Abmessen von Ecken und Nischen. Die Frage, wo eine Wurfbox am besten passt und wie groß sie sein muss. Das Besorgen von Wärmeplatte, Welpenmilch und allem, was sonst noch dazugehört. Und natürlich das stille Hoffen, dass Hermine noch ein kleines bisschen wartet, bis alles fertig ist.

Angela und Michael haben das mit einer Ruhe und Herzlichkeit gemeistert, die wir bis heute bewundern. Aus dem gemütlichen Pflegezuhause für eine einzelne Labrador-Dame wurde in kürzester Zeit eine echte Welpenstube – warm, sicher, gut ausgestattet und liebevoll eingerichtet. Hermine hat das neue Arrangement offenbar sehr zu schätzen gewusst. Sie wirkte von Anfang an, als wäre sie schon immer genau hier zu Hause gewesen. Keine Aufregung, kein Stress – einfach Hermine, die sich in ihre neue Rolle als werdende Mutter schickte.

Auch für uns als Verein war die Situation eine neue: Plötzlich koordinierten wir nicht nur die Versorgung einer Pflegehündin, sondern bereiteten uns auf einen ganzen Wurf vor – mit allem, was dazugehört. Tierärztliche Begleitung, Ausstattung, Dokumentation, erste Anfragen von Interessenten. Alles auf einmal, vieles spontan, das ein oder andere auf Zuruf. Aber genau das ist es, was wir als Verein können: flexibel sein, wenn es darauf ankommt.

Hermine und das kleine Geheimnis - Teil 2

Wie aus einer Hündin plötzlich eine ganze Familie wurde – und warum wir bis heute schmünzeln müssen.

Und dann waren sie da

Hermine gebar 10 Welpen – braune und schwarze Labradorwelpen, ein farbenfroh gemischter kleiner Haufen. Mit dem ersten Quieken war klar: Diese kleinen Knäuel gehören zur SoKo. Automatisch, sozusagen. Denn wo die Mama SoKo-Hündin ist, sind es die Kinder auch. Sie waren zwar niemandes Plan gewesen – aber jetzt waren sie da, und wir haben sie mit offenen Armen empfangen.

Die nächsten Wochen gehörten ganz ihnen. Angela und Michael wachten über Mutter und Kinder, sorgten dafür, dass alle satt, warm und gut sozialisiert aufwuchsen. Hermine erwies sich als aufmerksame, geduldige, geradezu stoische Mutter – ganz so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Zehn Welpen, die an ihr knabbern, klettern und drängeln? Kein Problem. Hermine hat das alles mit einer Gelassenheit getragen, die wirklich beeindruckend war.

Einen Spitznamen hatten die Kleinen auch schnell: Die Zauberlehrlinge. Treffender hätte man es kaum nennen können. Keiner hatte sie erwartet, keiner hatte sie geplant – und trotzdem tauchten sie auf, als wäre ein kleiner Zauberer am Werk gewesen. Sie stellten das Leben bei Angela und Michael – und ein bisschen auch unseren Vereinsalltag – auf den Kopf. Auf die schönste Art.

Einer nach dem anderen fand sein Zuhause. Direkt aus der Pflegestelle, direkt ins Glück. Und Hermine? Die durfte in aller Ruhe zusehen – bevor auch für sie das richtige Zuhause gefunden wurde. Schlechte Hüfte hin oder her – ihr Herz war von Anfang an tadellos.

Alle zehn – und wir stellen sie vor

Hermines Geschichte ist damit erzählt – aber die Geschichte der Zauberlehrlinge fängt hier erst an. Denn natürlich stellen wir euch jeden einzelnen von ihnen vor. Zehn Welpen, zehn Charaktere, zehn kleine Lebensgeschichten, die in ganz verschiedene Richtungen geführt haben.

In den nächsten Teilen dieser Serie nehmen wir euch mit: Wer wurde wie? Wohin hat es die braunen und schwarzen Knäuel verschlagen? Was haben sie alle gemeinsam – außer ihrer ungewöhnlichen Ankunftsgeschichte? Seid gespannt. Die Zauberlehrlinge haben noch einiges zu erzählen.

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