Hier schreiben unsere Mitglieder nach und nach ihre schönsten, lustigsten, traurigsten und rührendsten Geschichten für Sie auf. Sie werden Ihr Herz berühren, Sie zum Lachen oder auch zum Weinen bringen.

 

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Nami  - gemeinsam schaffen wir alles!

Nami, eine braune Labradorhündin, wurde mit 10 Monaten an Retriever-SoKo abgegeben. Sie hatte eine Fehlstellung der linken Vorderpfote. Damit war die Hündin für den Züchter nichts wert. In ihrem Pflegekörbchen wurde Nami liebevoll aufgenommen. Eine genaue Untersuchung ergab, dass es möglich wäre, die Pfote in einer Operation zu korrigieren. Würde man es nicht korrigieren, könnte es durch die ständige Fehlbelastung früh zu einer schweren Arthrose kommen.

Der Kostenvoranschlag für die Operation belief sich auf 2.500€.

Sehr viel Geld für einen kleinen Verein wie Retriever-SoKo. Gemeinsam mit der Adoptivfamilie wurde die Möglichkeit einer Operation besprochen. Sie waren bereit, Nami auf diesen Weg mit Hilfe von Retriever-SoKo zu begleiten.

Durch einen Spendenaufruf sind viele Spenden zusammen gekommen und die Operation konnte durchgeführt werden. Am 22.02.2017 war es dann soweit. Nami wurde in einer aufwendigen Operation an der linken Vorderpfote operiert. Sie bekam einen Fixateur, der extern gesetzt wurde,  um den Heilungsprozess zu unterstützen.


Nach vielen Wochen und vielen Kontrollbesuchen beim Tierarzt konnte Nami endlich bei einer erneuten Operation der Fixateur entfernt werden.

Jetzt hieß es Physiotherapie für Nami und noch ein bisschen Durchhalten für sie und ihre Familie und im Oktober 2017 erhielt sie ihre letzte Therapiestunde.

Nach 8 Monaten hatten sie es endlich geschafft und Nami kann jetzt voll durchstarten in ihrem neuen Leben.

 

Wir bedanken uns nochmal herzlich bei allen Spendern und natürlich ganz besonders bei Namis Familie, die das alles mit ihr durchgestanden hat, und wünschen ihnen viele schöne gemeinsame Jahre.

 

© Retriever Soko e.V.

 

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 Clara – mein erster Pflegi

Ich hatte einen kleinen Terrier Mischling, der ein Jahr zuvor anfing, gesundheitlich abzubauen. Trotz umfassender Diagnostik konnte niemand sagen, was es war, das seine roten Blutkörperchen auffraß. Mir war klar, dass er nicht mehr lange leben würde. Zwei Therapien mit einem Cortisonpräparat brachten ihm jeweils noch einen Schub seines früheren Lebens zurück. Ich wusste, Heilung gab es nicht. Eine dritte Therapie hätte demnach nur mir geholfen.

In diesem Sommer war ich mit meiner Katze zwei Monate lang fast jeden zweiten Tag in der Tierklinik, weil sich eine Bissverletzung sehr bösartig verändert hatte. Eine OP wurde notwendig und es stand schon zur Diskussion, ob sie ihr Beinchen würde behalten können.

An einem dieser Tage wanderte ich im Wartezimmer an den Wänden entlang herum, wo viele Leute ihre privaten Aushänge angeheftet hatten. Ein Retrieververein suchte Pflegestellen.

Ich hatte eine ziemliche Angst vor dem Tag, an dem mein kleiner Hund sterben würde. Einmal war es schon passiert, dass ich durch den Tod eines geliebten Hundes in ein tiefes Loch gefallen war.

Nach ein paar Tagen der Überlegung und Internetrecherche stand mein Entschluss fest. Ich rief bei dem Verein an und bewarb mich als Pflegestelle. Nach einer positiven Vorkontrolle wartete ich. Ende September endlich kam der erlösende Anruf. Eine ehemalige Abgabehündin sollte es sein, zweieinhalb Jahre alt, sehr lieb und herzkrank.

An einem Autobahnparkplatz fand die Übergabe statt. Die Arme musste sich zwischen allerlei Gerät und Werkzeug quetschen, das ich im Fond transportierte. Sie war eine riesige Labradorhündin, die freundlich in die Gegend guckte, aber keinerlei Interesse an mir zeigte.

Mir fiel schlagartig eins meiner Gespenster ein. Labradore sind lebende Mülleimer. Sie fressen alles, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Meine Retrieverhündin war vor vielen Jahren grausam und elend an Gift gestorben. So etwas sollte nicht noch einmal passieren, dafür wollte ich sorgen. Die Hunde, die ich in der Zwischenzeit gehabt hatte, nahmen nichts vom Boden auf. Ich war sehr rigoros gewesen. Alles ist besser als ein toter Hund, und heimtückische Hundehasser wachsen leider immer wieder nach.

Einen Pflegehund zu haben bedeutete für mich noch eine ganz besondere Verantwortung, denn ich hätte dem Verein gegenüber Rechenschaft ablegen müssen, wäre etwas passiert.

Auf der langen Fahrt nach Hause machten wir drei Stopps. Ich wusste nicht, wie sehr die Entwässerungstabletten und die eventuell ungewohnte Fahrt auf ihren Organismus wirken würden. Dabei grinste mich mein zweites Gespenst an. Auf keinen Fall durfte sie unkontrolliert aus dem Auto springen. Als wir zu Hause ankamen, kannte sie „Bleib“. Erst nach Erlaubnis durfte sie das Auto verlassen. Da hatte ich ihre Leine schon sicher in der Hand. Leider war es schon dunkel, keine gute Zeit für eine Zusammenführung. Es ging über alle Maßen gut zwischen meinem kleinen Terrier und Clara. Überschwänglich wäre gelogen, eher ein „Aha, jetzt bist Du also da“. Man nahm sich zur Kenntnis, mehr nicht.

Clara entpuppte sich als eine sehr liebenswerte, freundliche, gelehrige Dame, die sich schnell einfügte und ihre vielen Medikamente ohne Probleme nahm. Klar, Labbi frisst alles. Unterwegs fraß sie zum Glück keinerlei Unrat. Stattdessen fand sie immer sehr schnell einen wuchtigen Knüppel, den sie mir als Wurfgerät anbot. Das war auf Spaziergängen ihre größte Freude. Sie konnte das durchhalten, bis mir die „Lust“ am Werfen verging. Ein freundliches „Lass liegen“ befolgte sie auf der Stelle. Sie sollte nicht in Watte gepackt werden, aber ihre Herzerkrankung ließ exzessive Spiele nicht zu.

Sie fand alle Wildwechsel, von denen es sehr viele gab, zeigte aber nie, dass sie Rehe oder Hasen auch gerne verspeist hätte. Sie schwamm leidenschaftlich gerne. Dazu hatte sie sich eine süße Idee einfallen lassen. Wenn sie ins Wasser wollte, setzte sie sich am Ufer hin und wartete darauf, ab geleint zu werden. Erst dann lief sie rein und holte zurück, was ich geworfen hatte.

Zu meinen Katzen war sie ausgesprochen nett. Die akzeptierten auch nach wenigen Tagen, dass da ein anderer Hund war und man beschnupperte sich in aller Freundschaft.

Im Dezember starb mein Terrier nach vier Atemzügen Schnappatmung in meinen Armen. Ich konnte nicht reden oder gar fühlen. Clara war einfach nur da, stand daneben, wollte nichts und tat nichts. Damit gab sie mir genau den Trost, den ich in diesen Minuten brauchte. Den Arm um sie gelegt, schwiegen wir gemeinsam und nahmen so Abschied von einer kleinen, großen Seele. Clärchen und ich verlebten einen ruhigen Jahreswechsel. Die Silvesterknallerei machte ihr nichts aus. Wir spielten im Garten mit „Hölzchen“, während das neue Jahr seinen Anfang nahm.

Zehn Tage später war ich zum Pflegestellenversager geworden. Nein, es war nicht Clara, obwohl ihr mein Herz schon längst gehörte. Ihre Krankheit überstieg bei Weitem meine finanziellen Möglichkeiten. Ein niedliches Labradoodlemädchen wohnt seitdem bei mir.

Clara war bei allen Menschen und andersartigen Tieren die Liebenswürdigkeit in Person. Was sie zu ihrem persönlichen Glück nicht brauchte, waren andere Hunde. Mein Terrier war schon vor ihr da, so dass es da keine Schwierigkeiten gab.

Als die Kleine kam, trennte ich beide zunächst im selben Raum. Sie konnten sich sehen und riechen – Himmel, wie die Kleine stank – aber nicht berühren. Clara war keineswegs „amused“ über den Zuwachs. In der Nacht packte ich das Baby kurzerhand in einen Kennel, damit sie einerseits geschützt war und andererseits – sie war noch nicht stubenrein. Sie würde sich hoffentlich bemerkbar machen, wenn sie ein dringendes Geschäft zu erledigen haben würde. Am nächsten Morgen wurden die beiden sehr gute Freundinnen und ich hatte viel zu lachen.

Claras sehr liebevolles Tagebuch wurde im WWW eifrig und gern gelesen, aber es reichte nicht aus, die passenden Bewerber zu finden. Ein Anfängerhund war sie auf keinen Fall. Sie hatte schon ihren eigenen Kopf, dem man ganz klare Regeln und Grenzen setzen musste, aber dann hatte man einen Hund, mit dem man bedenkenlos überall hin gehen konnte. Dazu kam noch die teure Krankheit.

Im Mai wurde aus Clara dann noch ein Fernsehstar. In der Sendung „Tiere suche ein Zuhause“ stellte man „mein Clärchen“ als Notfall vor. Claudia Ludwig sagte klar und deutlich, dass hier erfahrene Hundefreunde mit dickem Portemonnaie gesucht wurden.

Im August meldete sich eine Familie, die alle diese Voraussetzungen erfüllte und sich  - eigentlich - schon lange in Clara und ihr Tagebuch verliebt hatte. Sie sollte vorrangig Frauchens Hund werden. Für Herrchen war nur wichtig, dass sie sich mit seinem Kater verstehen würde. Diese Entscheidung hatte er ohne Clara gemacht. Sie kam beiden liebenswürdig wedelnd und lächelnd entgegen – da war es um ihn geschehen. Irgendwann im Zuge unserer Unterhaltung fiel der Satz “...und dann sage ich zu meinem Hund...“. Konnte ich da noch traurig sein, weil mich meine süße Clara verließ?

Heute lebt sie als geliebte und umhegte Prinzessin zusammen mit zwei Katzen in einem wunderschönen Haus. Ihr Gesundheitszustand wird regelmäßig überwacht. Dabei kam ein phantastisches Ergebnis heraus: ihre Krankheit ist, entgegen allen Prognosen, fast ausgeheilt! Sie wird nur noch wenige Medikamente brauchen. Die übrigen werden langsam ausgeschlichen.

Auf hündische Straßenbekanntschaften legt sie immer noch keinen Wert.

 

© Fotos + Text Irmhild Fahlnberg

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„INKA“ -  Erst Pflegehund, dann Herzhund

 

Unsere Zeit als Pflegestelle begann, nachdem wir Freunde besucht hatten, die uns in langen Gesprächen davon überzeugen konnten, es auf jeden Fall zu versuchen. So begann unsere schöne Zeit im Tierschutz.

INKA - unsere vierte Pflegehündin - kam am 14. Dezember 2008 zu uns.

Sie wurde an einem kalten und regnerischen Tag abgeholt.  Verängstigt, unsicher, völlig durchnässt und verschmutzt saß sie auf einem Hof am Ende der Welt. Sie hatte kein Halsband um.

Die Stahlkette mit der sie an das Geländer gekettet war, wurde ihr direkt um den Hals geschlungen und mit einem Karabiner gesichert. Schön eng, damit das kleine Köpfchen des Junghundes auch ja nicht herausrutschen konnte! Da war sie gerade mal 8 Monate alt.

Eigentlich sollte Inka eine Zuchthündin werden, aber irgendetwas stimmte nicht. Da war es besser, sie abzugeben. Und was kam da bei uns an??? Ein aufgewecktes und neugieriges schwarzes Fellbündel. Den Wohnzimmertisch hatten wir schon abgeräumt. Sie kannte das alles nicht und sprang darauf und inspizierte die Obstschale, marschierte auf dem Sofa herum und schnuffelte alles ab. Sie war so begierig, alles Neue aufzusaugen. Durfte endlich spielen und toben und wurde gestreichelt und geknuddelt.

Manchmal, wenn sie entspannt auf dem Boden lag, bemerkten wir, dass sie nicht ganz dicht hielt und einen kleinen See hinterließ. Und so war uns schnell klar, warum man sie nicht mehr haben wollte. Inkontinenz – für die Zucht nicht geeignet.

Am 31.12.2008 haben wir Inka röntgen lassen und dabei wurde festgestellt, dass sie schwer krank war. Es arbeitete nur noch eine Niere, und die auch nur noch zu 20 %. Die Harnleiter waren 6-7 Mal dicker als normal und nicht an der richtigen Stelle an die Blase angeschlossen. Das wird die Züchterin so genau nicht gewusst haben, denn die Untersuchung hätte ja Geld gekostet. Rausgeworfenes Geld in den Augen solcher Menschen.

Inkas Lebenserwartung schätzten die Tierärzte auf max. ein halbes Jahr ein. Eine OP kam von Seiten des Tierschutz-Vereins nicht infrage, denn sie hätte viel Geld gekostet und die Aussichten auf Erfolg waren nicht so rosig. Und so entschlossen wir uns als Pflegestelle, Inka bei uns zu behalten und ihr das bisschen Leben noch so schön wie möglich zu machen. Sie bekam nun Diätfutter und täglich eine Herztablette. Und damit haben wir INKAs Problem in den Griff bekommen.

Die Zeit mit Inka war anfangs manchmal schwierig, aber auch sehr, sehr schön. So ein lebenslustiges Mädel! Wenn sie durch den Garten fetzte, hatte man das Gefühl, sie platzt vor Freude. Sie sprang die Treppe hinauf und hinunter, ohne auf die Stufen zu achten. Wenn sie einen ansah, dann schmolz man sofort dahin. Sie hatte sich unserer Labrador Retriever-Hündin Luca sehr angeschlossen, und schlief mit ihr, mit sehr viel Körperkontakt, in einem Korb. Jeden Tag untersuchte sie Lucas Ohren, so lange, bis diese klitschnass waren. Inka entwickelte sich zu einem ganz normalen Junghund.

Doch dann kamen diese Gedanken. Oh je, jetzt kommen wir an die Grenze, die 6 Monate sind um. Wann wird es passieren? So ein Ultimatum war schon eine schreckliche Ansage. Aber Inka hatte es sich glücklicherweise anders überlegt und wollte ihr Leben noch ein wenig genießen.

Sie war so überschäumend lebenslustig, dass wir unser Herz schon lange an das Mädel verloren hatten und im März 2010 haben wir Inka dann ganz vom Verein übernommen. So durften wir mit ihr noch fast 3 Jahre zusammen toben und kuscheln.

Oft hat sie auf der Treppe gesessen und aus dem Fenster geschaut. Und wenn wir heimkamen, dann ist sie durch die Gegend geflitzt und war ganz aus dem Häuschen. Wenn wir zu Hause waren, dann war sie  unser schwarzer Schatten.

Zuletzt wurden die Spaziergänge immer kürzer, oft musste sie sich ausruhen. Sie hat kaum noch etwas gefressen, bekam Schmerzen und hat leise gegrummelt, sobald sie sich hinlegte. Wir wussten, der Zeitpunkt war gekommen. Wir mussten Abschied nehmen.

Am letzten Tag ist Inka nicht mehr aufgestanden. Am 10. November 2011 kam die Tierärztin mit ihrer Sprechstundenhilfe am Abend zu uns nach Hause. Auch die beiden hatten Inka über die ganze Zeit sehr in ihr Herz geschlossen und es fiel ihnen nicht leicht. Unser ältester Sohn kam mit seiner Frau und unserer kleinen Enkelin, um von Inka Abschied zu nehmen. Ganz sanft ist Inka in meinen Armen eingeschlafen. 

Viel zu jung musste sie gehen, aber es war schön und die richtige Entscheidung, dass wir Inka bei uns behalten haben. Unser Sonnenschein! Sie wird immer in unseren Herzen bleiben.

 

© Fotos + Text Brigitte Windisch

 

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